Der Tanzabend, dem der Saal zum ersten Mal vertraute
Ein örtlicher Amateur-Tanzwettbewerb, ein einziger Abend, etwa zwölf Auftritte. Jedes Jahr füllt sich der kleine Saal, jedes Jahr derselbe wunde Punkt: Wer hat eigentlich gewonnen, und warum?
Früher entschied eine kleine Jury. Drei, vier Leute am Tisch, ein Sieger. Und jedes Mal fühlte es sich schief an. Die Freunde in der ersten Reihe jubelten am lautesten, das Ergebnis wirkte politisch, und mancher Tänzer ging nach Hause mit dem leisen Zweifel, ob das Ganze überhaupt fair war.
Dieses Jahr machten die Veranstalter es anders. Zu jedem Auftritt erschien ein eigener QR-Code auf der Leinwand. Wen ein Tanz wirklich berührte, der zückte das Handy und hinterließ ein Like.
Zwei Dinge machten den Unterschied. Die Likes sind einzigartig – ein Mensch, ein Like, kein Stapeln, kein Tricksen. Und sie sind anonym: Niemand sieht, wer wen gelikt hat. Es steigt nur die Zahl. Keine Reihe von Freunden konnte das Ergebnis kippen, weil jeder Zuschauer genau eine Stimme hatte, und kein Tänzer musste fürchten, bloßgestellt zu werden.
Der Saal tippte den ganzen Abend. Mal lauter, mal leiser stieg eine Zahl neben jedem Auftritt. Und der Sieger ergab sich am Ende rein aus den ehrlichen Likes – nicht aus dem Tisch in der Ecke, nicht aus der lautesten Reihe.
Zum ersten Mal vertraute der Saal dem Ergebnis. Gewonnen hat eine stille Tänzerin, die nie eine Fanreihe hatte, niemanden, der für sie brüllte. Aber der Raum hatte ihren Auftritt wirklich gespürt, und genau das zählten die Likes. Als ihr Name fiel, klatschte sogar die frühere Jury mit.
Ein Like ist hier ein ehrliches, anonymes «Du hast mich berührt». Kein lautes Lager entscheidet, kein Expertentisch – nur die stille, gezählte Wahrheit eines ganzen Saals. Und ein Wettbewerb, der so endet, hinterlässt niemanden mit Zweifeln.